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Die Erfindung der Nativität. Zur Systematisierung der Horoskop-Astrologie im spätptolemäischen Ägypten
Antragsteller
Dr. Alfred Schmid
Fachliche Zuordnung
Alte Geschichte
Ägyptische und Vorderasiatische Altertumswissenschaften
Religionswissenschaft und Judaistik
Wissenschaftsgeschichte
Ägyptische und Vorderasiatische Altertumswissenschaften
Religionswissenschaft und Judaistik
Wissenschaftsgeschichte
Förderung
Förderung von 2018 bis 2022
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 397601187
Ausgangshypothese dieses Projekts war die Annahme, dass die sogenannte „Genethlialogie“ (als Horoskop- oder „Nativitäten“-Astrologie) ein wichtiger Markstein in der Genese reflektiert-individuierter Identität gewesen sein muss. Im spätptolemäischen Ägypten, also in dem gemischtkulturellen Milieu einer nach Massgabe damaligen Verständnisses ‚globalisierten‘ Welt, wäre ein neues Konzept von Identität entstanden, das in vielen Quellen und Quellensorten als intensiv systematisiertes auftritt.Bald zeigte sich aber, dass die Frage nach Individualität (als Essenz von Identität) eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der modernisierungstheoretischen Dogmatik nach sich ziehen musste, welche Individualität als zentrales Kriterium der Moderne jeder „Vormoderne“ abspricht. Daher waren in aufwendiger aber fruchtbarer Arbeit die Begriffsfelder Individuum/ Subjekt/ Identität abzuklären und zum Teil neu abzugleichen (insbesondere erweist sich die konsequente Unterscheidung von Individualität und Subjektivität als unumgänglich). Im Bereich der Quellenlektüre ergaben sich daraus neue Fragestellungen: wie sieht eine Psychologie des Individuellen aus – wenn anders moderne Psychologie als Psychologie des Subjektiven gelten kann? – Das Quellenmaterial zur Astrologie wird nun konsequent nach einer möglichen ‘Psychologie’ abgesucht und ausgewertet; dazu dienen im Moment Hilfsbegriffe wie „teleologische“ oder „eventualistische“ Psychologie. Zum Kontrast dient die „moderne“ Psychoanalyse und ihr durch Freud geprägter naturwissenschaftlicher Stil.Nach Abschluss der Quellenarbeit (möglichst breit angelegt aber natürlich nicht vollständig) wird die Frage nach dem Warum und dem Wie der „Erfindung“ dieser elaboriert deterministischen Systematik auf neuem Fundament gestellt werden können. Denn die im Moment rege Forschung zu dieser kulturell dezidiert hybriden Theoretisierung hat sich bisher nie um den ‘Gegenstand’ solch angestrengter Theorie gekümmert. Als Ziel des Projekts soll ein soziokultureller Hintergrund beleuchtet werden, vor welchem in bestimmten Kreisen einer kolonialen Gesellschaft das offenbar neue Bedürfnis nach einem ‘technischen Formular’ plausibel werden könnte, das Identität an die fatale Substanz einer kosmisch (oder ‘global’) fundierten Individualität band – jenseits von Gesellschaft, Kultur, Ethnie und Tradition. – Der theoretische Mehraufwand, wobei eigene Wege zu gehen und Fragen zu stellen waren, rechtfertigt die Verlängerung der Projektdauer um ein Jahr.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
Internationaler Bezug
Italien, Schweiz, USA
Mitverantwortliche
Professor Dr. Stefan Pfeiffer; Professor Dr. Joachim Friedrich Quack
Kooperationspartnerinnen / Kooperationspartner
Privatdozentin Livia Capponi; Privatdozentin Dr. Rita Gautschy; Dr. Nesina Grütter; Professor Dr. Ian Moyer; Professorin Dr. Francesca Rochberg