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Sterben im Strafvollzug. Exploration von Erfahrungen und Bedarfen Inhaftierter und der Versorgungsrealität (ARREST)
Antragstellerin
Professorin Dr. Stephanie Stiel
Fachliche Zuordnung
Public Health, Gesundheitsbezogene Versorgungsforschung, Sozial- und Arbeitsmedizin
Förderung
Förderung seit 2024
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 558417502
Hintergrund: Der Umgang mit sterbenden Inhaftierten ist aufgrund der Vulnerabilität dieser Gruppe mit besonderen Herausforderungen verbunden und obliegt einer großen Verantwortung. In Deutschland werden sterbende Inhaftierte meist vorzeitig aus der Haft entlassen. Bis zu diesem Zeitpunkt, und in Einzelfällen auch bis zum Versterben, haben sie jedoch den Bedarf und das Recht darauf, in Haft palliativmedizinisch versorgt zu werden. Die Palliativversorgung ist im deutschen Strafvollzug bisher nicht strukturell verankert. Fehlende Routinen gehen teils mit Unsicherheiten seitens der Versorgenden einhergeht. Es zeichnet sich ab, dass in der palliativmedizinischen Versorgung Inhaftierter Defizite im Vergleich zum öffentlichen Gesundheitssystem bestehen, woraus eine soziale Benachteiligung der Inhaftierten resultiert. Forschungslücken: Für den deutschen Kontext gibt es kaum Studien zu den Angeboten der Palliativversorgung in Haft und auch die Perspektive der Betroffenen selbst ist bisher unbekannt. Benötigt wird zunächst explorative Grundlagenforschung, um das Feld Sterben im Strafvollzug zu erfassen, mögliche Problembereiche zu identifizieren und evtl. vorhandene Handlungs- und damit weitere spezifische Forschungsbedarfe empirisch zu belegen. Ziele: Die beiden primären Ziele der explorativen, ergebnisoffenen Studie sind (i) die Ermittlung der Erfahrungen, Bedürfnisse und Wünsche schwerkranker und sterbender Inhaftierter bzw. Entlassener hinsichtlich der Versorgung in Haft und (ii) die Erfassung der Realität der Versorgung Schwerkranker und Sterbender in Haft. Das übergeordnete Ziel der Studie besteht darin, (iii) zu ermitteln, ob und in welcher Form es Defizite bzw. bisher ungedeckte Bedarfe im Bereich der Palliativversorgung in Haft gibt. Methoden: Die explorative qualitative Studie wird nach einer induktiven Logik strukturiert. Zur Erreichung des ersten Ziels der Studie (i) werden narrative Interviews mit schwerkranken und sterbenden Inhaftierten und am Lebensende Entlassenen geführt. Diese werden mithilfe des Verfahrens der Narrationsanalyse ausgewertet. Um das zweite Ziel (ii) zu erreichen, werden Expert/inneninterviews mit anstaltsinternen und externen Mitarbeitenden, die bereits an der Versorgung schwerkranker und sterbender Inhaftierter beteiligt waren, geführt. Die Auswertung erfolgt mithilfe der Qualitativen Inhaltsanalyse. (iii) Die Ergebnisse werden schließlich zusammengeführt, um Defizite bzw. bisher ungedeckte Bedarfe aufzuzeigen. Erwarteter Nutzen: Die Studie dient der Exploration des Feldes der Palliativversorgung in Haft mit einem besonderen Fokus auf der Perspektive der Betroffenen. Es wird aufgezeigt, inwiefern es in diesem Bereich Defizite bzw. ungedeckte Bedarfe gibt. Insofern können die Ergebnisse des Projekts richtungsweisend für weitere Forschung sein, die schließlich als Grundlage für die Verbesserung der Palliativversorgung dienen kann.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen